Usability kann Leben retten - Ein Beispiel
Die Komplexität medizinisch technischer Geräte und deren Einsatzbereich zur Überwachung und Behandlung von Patienten nehmen stetig zu. Das Beispiel CPOE-Systeme (Computerized Physician Order Entry-Systeme) verdeutlicht die Notwendigkeit von Usability Engineering und Risk Management in der Medizintechnik und der Diagnostik.
Werden interaktive Produkte unter Zeitdruck und kritischen Bedingungen benutzt, häufen sich Bedienfehler. Anwender verwechseln Anschlüsse oder lesen Displayangaben wegen mangelnder Darstellung falsch ab. Gerade bei unerfahrenen Benutzern stellt dies ein Gesundheitsrisiko für Patienten dar. Wenn jede Minute zählt oder eine falsche Dosierung tödlich sein kann, fallen Bedienfehler ins Gewicht.
Doppelte Medikation als Bedienfehler
CPOE-Systeme verzeichnen alle Informationen über einen Patienten sowie die therapeutischen Anweisungen eines Arztes und geben dem Pflegepersonal Anweisung über die Vergabe von Medikamenten. Ziel solcher Systeme ist es, Fehler in der Medikation zu vermeiden und Kosten zu reduzieren.
Studien zeigen allerdings, dass diese Informationssysteme auch Schwächen haben können und so Fehler in der Medikation steigern. Der Grund: ungenügende Gebrauchstauglichkeit. So gibt es vereinzelt CPOE-Systeme, die bei Eingabe einer neuen Dosierung durch den Arzt ohne Löschung der alten Dosis beide Dosierungen summieren und so eine viel zu hohe Angabe an das Pflegepersonal weitergeben*.
Sichere Produkte zum Wohle der Patienten
Gebrauchstauglichkeit ist demnach nicht nur ein Wettbewerbsfaktor. Vielmehr kann eine benutzerfreundliche Mensch-Maschine-Schnittstelle helfen, Menschenleben zu bewahren und zu retten.
*vgl. Koppel, R., Metlay. J.P., Cohen, A., Abaluck, B., Localio, A.R., Kimmel, S.E., and Strom B.L. (2005): "Role of Computerized Physician Order Entry Systems in Faciliating Medication Errors" Journal of the American Medical Association Vol. 293 No. 10 (March 9), 1197-1203.
